Montag, 1. März 2010

Geduld und Verständnis

Wie zuletzt im Dezember 2009 berichtet, konnten die Bauarbeiten im Wesentlichen mit November des Vorjahres abgeschlossen werden, nur noch geringfügige Restarbeiten waren ausständig. Seit Januar arbeiteten wir daher mit Hochdruck am Feinschliff und realisierten auch das bereits angesprochene Büro.

Büro und Pavillion
Im Jänner erfolgte also der Umbau der ehemaligen „Bauhütte“ unseres Generalunternehmers. In diesem Gebäude befinden sich nun nicht nur das erforderliche Büro, sondern auch eine kleine Wäscherei und einen Umkleideraum für die Mitarbeiter, die nicht im Waisenhaus selbst tätig sind, fanden ohne Mühe darin Platz.
Neben diesem Gebäude bot sich eine kleine Fläche geradezu dafür an einen beschatteten Bereich zu errichten, in welchem Besucher empfangen und Meetings abgehalten werden können. Und jetzt steht hier ein Pavillon gedeckt mit einem traditionellem Makutidach.
Wir denken auch daran, hier Präventionskurse für Jugendliche abzuhalten oder Abendunterricht für Erwachsene anzubieten, die des Lesens und Schreibens nicht mächtig sind, aber auch andere Formen der Bildung werden hier möglich sein.

Seit Fertigstellung der Gebäude lag der Schwerpunkt der weiteren Arbeiten auf der Gestaltung der Außenflächen. Der Garten des Waisenhauses wurde begrünt, wobei der kenianische Rasen nicht durch Aussäen von Samen angepflanzt wird, sondern die Rasenpflanzen werden einzeln !!! gesetzt. Eine sehr aufwändige Tätigkeit und für uns eine ebenso erstaunliche wie neue Erfahrung. Zwischen den Rasenflächen sind nun die notwendigen Wege angelegt und Bäume gepflanzt, sie sollen nach und nach mehr Schatten spenden.

Nationalstolz
Und weil das Nationalbewusstsein in Kenia sehr ausgeprägt ist darf auch ein Flaggenmast nicht fehlen. Montags und Freitags werden die Flaggen gehisst. Wir waren sehr erstaunt zu sehen, dass nach dem „Anpfiff“ (wie bei einem Fußballspiel), alle Mitarbeiter, unberücksichtigt der gerade verübten Tätigkeit, stramm stehen bis das Zeremoniell beendet ist. Da wollten wir natürlich nicht hintenan bleiben und so bekam die kenianische Flagge eine österreichische Nachbarin. Das erste Hissen der Flaggen wurde dann auch von beiden Hymnen begleitet. Zugegeben, bei der kenianischen Hymne konnten wir natürlich nicht mithalten, wir haben uns aber vorgenommen, diese schnellstmöglich zu lernen.

Die Einrichtung
Wir können sagen, es ist alles vorbereitet für den Einzug der ersten Kinder, fast alle Möbel sind geliefert, die Vorhänge montiert, die Wäsche ist da, die WCs, die Duschen und Bäder sind mit den notwendigen Details wie Duschvorhängen und Spiegeln versehen. Sogar die Zahnbürsten stehen schon hab Acht!

Das Team
Das Team ist nun auch vollzählig, zunächst einmal für die Anfangsphase, in der nur eine geringere Anzahl von Kindern aufgenommen werden soll, damit das Team und überhaupt alle täglichen Abläufe sich gut einspielen können. Derzeit sind drei Mitarbeiterinnen beschäftig, Margret, unsere „1st Nanny“ wird mit Ausnahme eines Tages, die ganze Woche über im Kinderheim wohnen, Jane und Mejumaa unterstützen sie tagsüber und werden sich, bei wachsender Zahl der Kinder, die Nachtschichten teilen. Vorerst sind sie gemeinsam für alle Belange zuständig, für die Kinder, die Verpflegung, die Reinigung, die Wäsche und was eben sonst noch alles anfällt. Erst wenn eine größere Zahl an Kindern da ist und dementsprechend mehr zu tun sein wird, werden wir weitere Mitarbeiter für die anderen Tätigkeiten einstellen.
Um die Sicherheit kümmern sich Francis, Athumani und Peter. Sie sind gleichzeitig für den Garten und die Pflanzen zuständig, da jeweils nur einer von ihnen ausschließlich am Eingang seinen Dienst versieht. Peter ist zudem gelernter Koch und wir denken, wenn wir dann so um die 30 Mäuler zu stopfen haben werden, wird er auch seiner erlernten Profession im Kinderhaus nachgehen.

Mike, der uns seit Beginn des Projektes begleitet, übernimmt die Funktion des technischen Administrators und Supervisors. Er kümmert sich um alle technischen Anlagen, deren Wartung oder Reparatur, das Auto, den Service, um unseren künftigen Schulbus, ist der Mann für alle Fälle und wird zudem künftig alle Fahrten erledigen die notwendig sind. Sei es die Kinder zur Schule zu bringen und sie wieder abzuholen, sei es Einkäufe zu tätigen, um die Arztbesuche mit den Kindern oder was immer auch nur mit dem Auto zu erledigen ist.

Für einen Manager / Administrator haben wir eine weitere Einschaltung in der Daily Nation veranlasst, diesmal war die Anzahl der Zuschriften überwältigend, über 80 Bewerbungen, was die Auswahl des / der Richtigen nicht erleichterte. Eben erst haben wir uns für Joseph entschieden. Ob diese Entscheidung richtig war, wird die bis Juli laufende Probezeit zeigen. Kurzum, wir sind komplett!

Was noch fehlt!
Und was ist mit den Kindern? Diese Frage haben wir uns in den letzten Tagen auch immer wieder gestellt, erfolgte doch nach der ersten Inspektion durch das Jugendamt und dem damit verbundenem mündlichen OK im Dezember, eine zweite Inspektion durch ein fünfköpfiges behördliches Komitee im Januar.

Die schriftliche Genehmigung für die Aufnahme des Betriebes erhielten wir dann am 15. Februar - fast auf den Tag genau ein Jahr nach dem Spatenstich. Zwar hören wir immer wieder von Kindern in Not, mehr noch, es kommen Frauen, die Kinder abgeben wollen, weil sie nicht alle versorgen können, aber der Verweis auf den offiziellen Weg über das Jugendamt hat bisher zu keiner Zuweisung geführt. Für uns kommt aber ausschließlich der offizielle Weg einer Aufnahme in Frage, also üben wir uns in der mehrfach geschöpften Erkenntnis, dass hier die Uhren anders gehen, in Geduld und kümmern uns in der Zwischenzeit um einen weiteren wesentlichen Aspekt, der einen erheblichen Anteil am Gelingen des Projektes hat, nämlich die Involvierung der Community in das Geschehen.

Die Community
Schon zu Beginn unserer Tätigkeit haben wir von vielen Seiten immer wieder gehört, wie wichtig es ist, die Community, sprich die Gemeinde in der unser Kinderheim errichtet wurde, in das Geschehen mit einzubinden. Wir haben dem Rechnung getragen, indem wir bereits vor Baubeginn ein großes Meeting mit der Gemeinde abhielten, um sie über unser Vorhaben zu informieren und bereits unser Baumeister dazu angehalten wurde, Menschen aus der Nachbarschaft am Bau zu beschäftigen, was dann auch geschehen ist. Drei weitere Mitglieder der Community konnten sich qualifizieren und zählen nun zum siebenköpfigen Team.
Ein weiterer Beitrag zur Involvierung ist die Anbringung zweier Wasserhähne an der Außenseite unserer Mauer. Hier können sich die Gemeindemitglieder die keinen oder nur einen sehr weit entfernten Zugang zu Wasser haben, künftig kostenlos mit Trinkwasser versorgen. Die offizielle Übergabe dieser „Wasserstelle“ wir selbstverständlich in Zusammenarbeit mit den Village Chairmen (vier an der Zahl) organisiert, zelebriert und von einem kleinen Fest begleitet sein.

Nicht nur bei einem entsprechenden Treffen vor wenigen Tagen mit den Village Chairmen und auch dem Chief und dem Sub Chief of Ukunda, wurde einmal mehr deutlich, wie wichtig die Integration der Gemeinde in das Projekt ist. Das haben wir im Laufe der vergangenen Monate immer wieder erfahren und gespürt, weshalb wir uns bereits einige zusätzliche Dinge überlegt haben, wie diese Integration zum gegenwärtigen Zeitpunkt aussehen kann. Die Village Chairmen waren sichtlich erfreut darüber, dass wir nach mindestens drei Kostenvoranschlägen für Grundnahrungsmittel und für die Müllentsorgung durch Gemeindemitglieder fragten. Wir sind schon sehr auf das Ergebnis gespannt.

Kinder & Patenschaften
Es beflügelt uns im höchsten Maße, dass wir nicht nur immer mehr Anfragen nach Patenschaften erhalten, sondern eine erhebliche Anzahl an fixen Zusagen vorliegt, ja mehr noch, einige ließen es sich nicht nehmen, bereits die Zahlungen aufzunehmen mit dem Hinweis, bis Kinder da sind, mögen wir das zur Deckung des laufenden Aufwandes verwenden. Und dieser ist allein schon durch die Personalkosten nicht zu unterschätzen.

Wie geht es weiter?
Der Schwerpunkt unserer Tätigkeit liegt in den nächsten Wochen, vielleicht auch Monaten, darauf, das Children´s Home mit Leben zu erfüllen und sehr behutsam die Anzahl der Kinder anwachsen zu lassen. Jedem neuen Kind wird schließlich in der Anfangsphase erhöhte Aufmerksamkeit zu schenken sein.

Parallel dazu werden wir uns intensiv Gedanken machen, wie es weitergehen kann oder soll? Die vielfältigen Erfahrungen, die wir in den vergangenen drei Jahren gemacht haben, versetzen uns einerseits in die Lage, das erworbene Know How weiterhin für unser aller – denn wir empfinden uns mittlerweile als Gemeinschaft, die wir dieses Vorhaben tragen – Projekt einzusetzen, andererseits haben wir auch erfahren, dass die vordringlichsten Bedürfnisse nicht primär dort liegen, wo wir sie vermutet haben. Uneingeschränkt gilt weiter, dass Ausbildung und Sicherung der Grundbedürfnisse (Unterkunft, Ernährung, medizinische Grundversorgung) der einzige Weg sind, die Lage der Menschen mittel- und langfristig zu verbessern. Doch gerade in unserer Gegend gibt es mittlerweile eine Mehrzahl von guten Schulen, auch wenn viele sich das Schulgeld kaum oder nur unter größten Anstrengungen leisten können. Unsere Gedanken zur Fortführung unseres Projektes kreisen daher derzeit eher um ergänzende Einrichtungen, wie die Ausbildung zu handwerklichen Tätigkeiten, die wirklich benötigt werden (Tischler, Schneider, Maurer, etc.) oder eine sonstige Weiterbildung nach Absolvierung der Schulpflicht. Auch die Bildung jener, die, wie bereits erwähnt, bislang keine Schulbildung genossen haben und weder schreiben, noch lesen können, könnte ein verfolgenswertes Ziel sein, nicht zuletzt deshalb, weil das die Erkenntnis mit sich bringen kann, die eigenen Kinder wirklich zur Schule zu schicken. Die Schulpflicht allein vermag das nicht zu gewährleisten!