Dienstag, 1. September 2009

Finale der Bauparbeiten

Die Bauarbeiten
Eigentlich war die Fertigstellung der Bauarbeiten für Ende August vorgesehen, aber nach einer eingehenden Baustellenbegehung gleich nach Ankunft vor Ort Ende Juli, war ziemlich schnell klar, dass sich das nicht ausgehen würde und eine Verzögerung von mindestens vier Wochen ins Kalkül zu ziehen ist. Was ist passiert?
Nun, sieht man davon ab, dass es auf nahezu jeder Baustelle immer wieder mal Verzögerungen gibt, dann muss man hier zudem auch mit der kenianischen Arbeitsweise rechnen. Es wird bei weitem nicht so strukturiert und logistisch sinnvoll gearbeitet wie bei uns, es fehlt oftmals an ausreichend ausgebildetem Personal und viele Dinge waren daher nicht in der Art und Weise ausgeführt, wie es unsererseits vorgesehen war. Also ging es daran Leitungen, die falsch geführt waren, zu verlegen, fehlende Steckdosen und Lichtschalter nachzurüsten, das Niveau der Terrasse zu korrigieren, einen bereits jetzt sich biegenden Dachbalken auszutauschen und viele andere „Kleinigkeiten“ mehr. Es wurde geplant, wo es keine Pläne gab, es wurde erklärt, erläutert, korrigiert, nachgebessert, neu gestemmt, zementiert und neu verschraubt.
Um den Fertigstellungsprozess zu beschleunigen, wurde sogar ein zusätzliches Team aus Frauen rekrutiert, die all jene Aufgaben übernommen haben, für welche die Damen mindestens ebenso viel Feingefühl haben wie die Herren. Und so kam dann frischer Wind auf die Baustelle. So hat dieses Team zum Beispiel raue Tür- und Fensterrahmen fein geschliffen und auch die Außenwände dieser aufwändigen manuellen Prozedur unterzogen.

Höhere Gewalt
Es gibt aber auch Dinge, die wir trotz größter Anstrengungen nicht beeinflussen können und die, abgesehen von der Verzögerung der Fertigstellung des Kinderheims, noch viel dramatischere Auswirkungen in Kenia haben.
Die strikte Stromrationierung seitens der Regierung hat ihren Teil zum langsameren Vorankommen beigetragen. Die noch immer ausbleibenden Regenfälle führen zur Wasserknappheit, weshalb die Kraftwerke nicht mit voller Leistung arbeiten können. Uns so gibt es in Kenia bis zu 3 Tage die Woche keinen Strom.
Angesichts der Tatsache, dass bisher bereits Tausende von Nutztieren verendet sind, die Ernte ausgefallen ist und die Menschen im Landesinneren um ihr Überleben kämpfen, ja sogar eine Hungersnot befürchtet wird, kann man diese Verzögerung nur mit Demut hinnehmen. Die Situation für die Menschen ist sehr ernst und wir können nur hoffen, dass die Natur sich doch noch gnädig zeigt um das Schlimmste abzuwenden.
Einmal mehr sind wir darin bestätigt – auch wenn es dessen eigentlich gar nicht bedarf - wie wichtig es ist, den Menschen hier unsere Hilfe angedeihen zu lassen. Und Dinge wie nicht exakt parallel verlaufende Dachleisten, altmodische Toiletten oder was auch sonst immer unser ästhetisches Empfinden treffen mag, werden sehr schnell zur Nebensache, angesichts der allgemeinen Situation.

Das Energiekonzept ...
Nicht zuletzt auf Grund der unzuverlässigen und zudem sehr teuren Stromversorgung aus öffentlicher Quelle, haben wir letzte Woche eine wichtige Entscheidung getroffen, nämlich, das gesamte Projekt mit alternativer Energie zu versorgen. In wenigen Tagen wird eine Hybridanlage installiert werden, die sämtliche Einrichtungen mit Strom aus Wind- und Solarenergie versorgen wird. Abgesehen von der damit verbundenen Unabhängigkeit und der Umweltfreundlichkeit, ist die Tatsache, dass sich die Mehrkosten bereits in weniger als vier Jahren amortisiert haben werden, ein zusätzlich erfreulicher Aspekt. Denn ab dann sparen wir so richtig Geld!

... und was uns sonst noch freutAn dieser Stelle gibt es noch viel mehr Positives zu berichten. Denn trotz aller Unwegsamkeiten die bisher erwähnt wurden, trotz aller kleinen und großen Mängel die es zu beheben gab und noch gibt, ist das Kinderheim mit allen Nebengebäuden ganz großartig gelungen. Auch unser Baumeister Allan ist mit Recht stolz auf sein Werk und die Freude daran, trotz unserer Hartnäckigkeit in Sachen Qualität und Standard (unter der er sicher auch ein wenig gelitten hat), steht ihm ins Gesicht geschrieben. Und wir freuen uns mit ihm, denn nicht nur er, sondern auch wir haben bisher sehr viel durch diese erste Phase unseres Projekt gelernt.
Bleibt nur noch zu hoffen, dass die Verzögerung sich in Grenzen hält und uns nicht unnötig hohe Mehrkosten verursacht. Wir setzen alles daran, unseren Baumeister nach bestem Wissen und mit allen Kräften zu unterstützen, so dass die endgültige Bauübernahme vielleicht doch noch Mitte Oktober stattfinden kann.
Dies vorausgesetzt halten wir aus heutiger Sicht an einer Inbetriebnahme des Waisenhauses mit November fest, auch der Termin für die offizielle Eröffnung mit 20.2.2010 erscheint nicht gefährdet.

Die Straße
Es wird Ihnen nicht entgangen sein, dass das Thema Zufahrtstrasse mittlerweile zum Dauerbrenner in unseren Newslettern geworden ist. Denn die Strasse die wir benützen, ist von mal zu mal in schlechterem Zustand und führt zudem über private Grundstücke. Das scheint hier keinen zu stören und ein wenig herrscht die Mentalität: „Die Strasse ist nun mal hier, also ist sie auch offiziell.“ Wir sehen das gar nicht so und kämpfen seit einem Jahr darum, die laut Landvermessungsplan offizielle Strasse derart instand gesetzt zu bekommen, dass man sie benützen kann. Auch in den letzten Wochen wurden wieder mehrere Versuche unternommen, die Regierung dazu zu bewegen ihr bereits vor einem Jahr gegebenes Versprechen einzulösen. Auch die Vorsprache bei einem Parlamentsmitglied hat außer einem „I will take care of it and help you“ keine weiteren Erfolge gezeigt. Trotzdem ist eines sicher. WIR BLEIBEN DRAN!

Patenschaften
Mit großer Freude können wir auch berichten, dass unsere Informationen auf unserer Homepage zum Thema Patenschaften schon erste Erfolge zeigen, einige „künftige Paten“ haben sich bereits entschlossen und sobald die ersten Kinder das Waisenhaus beziehen werden, werden wir an diese Paten mit weiteren Informationen über die Kinder herantreten.
Überdies haben wir die weiteren Schritte zur Erlangung der Absetzbarkeit von Spenden gesetzt, die Jahresabschlüsse der beiden abgelaufenen Jahre sind bereits in Prüfung durch einen Wirtschaftsprüfer.
Wir möchten uns an dieser Stelle auch einmal für all den Zuspruch, den wir immer wieder erfahren, bedanken. Er ist uns Unterstützung und weitere Motivation zugleich. DANKESCHÖN!